Fachwissen

Smart City auf alten Arealen

Sie soll digitalisiert sein, sogar intelligent und sich selbst regulieren: Die Smart City gilt als die grosse städtebauliche Herausforderung. Momentan geht Basel mit grossen Schritten voran und transfomiert zusammen mit der SBB einen ehemaligen Güterbahnhof.

Die innerstädtische Entwicklung lebt besonders dort auf, wo ehemalige Gewerbequartiere obsolet geworden sind, sei es durch Strukturwandel, Verlagerung oder Reduktion der ehemals erforderlichen Flächen. Besonders die SBB mit ihren grossflächigen Gleisarealen, Wartungswerken und Umschlagplätzen treibt in vielen Orten der Schweiz den städtebaulichen Wandel voran. Dazu gehören grossstädtische Entwicklungen wie die Zürcher Europaallee, gemischtes Wohnen und Arbeiten im ebenfalls Zürcher Areal Neugasse oder aber die Umwandlung des Basler Güterbahnhofes Wolf zum Testraum einer Smart City.

 

Die Smart City fusst auf Digitalisierung, Vernetzung, Flexibilisierung und stetiger Optimierung aller urbanen Prozesse. Smart Cities, so der ZHAW-Wissenschaftler Vincente Cariabas-Hütter in der Netzwoche, zeichnen sich durch „hohe Lebensqualität für ihre Bewohnerinnen und Bewohner bei gleichzeitig effizientem Einsatz der benötigten Ressourcen“ aus. Und genau dieses Stadtmodell der Zukunft gehen beispielsweise Winterthur, Zug oder Basel aktiv an. Die Schlüsselrolle spielen dabei digitale Informations- und Kommunikationstechniken, die Stadt als System neu definieren und dynamisieren. Durch das Monitoring unterschiedlichster, sensorisch ermittelter Parameter, Statusmeldungen und Trendprognosen sowie deren Abgleich mit Zielwerten lässt sich idealerweise das komplexe System Stadt aktiver, nachhaltiger und fluider gestalten.

 

Wie das in der Praxis aussehen kann, soll schon bald in Basel zu sehen sein. Auf einem Teilareal des Basler Güterbahnhofes Wolf, 1876 noch vor den Toren der Stadt eröffnet, entsteht der Testfall der schweizerischen Smart City. Das bereits 2019 angeschobene Projekt liegt gut im Plan: 2023 sollen erste Bauvorhaben starten, 2027 dann ist der Bezug erster Flächen auf dem 160.000 Quadratmeter grossen Areal vorgesehen. Damit all dies gelingt, haben die SBB und die Stadtentwicklung des Kantons Basel-Stadt ein kooperatives Planungsverfahren aufs Gleis gesetzt, das möglichst viele Gruppen einbeziehen soll. Und innovative Projekte unterschiedlichster Art: über 60 Partner bringen sich im „Smart City Lab Basel“ ein, darunter der Lieferdienst DPD, der Ortungsdienst Proxity, Urb-X mit Hoch-Velowegen oder die Radschaft, die Bioabfälle per Velo entsorgt. Denn in der Basler Smart City stehen Aspekte wie Kreislaufwirtschaft, Sharing Economy, Eco-Design sowie Resilienz ganz oben auf der Liste. Dafür vernetzt das „Smart City Lab Basel“ Protagonisten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Bürgerschaft. Das „Smart City Lab Basel“ ist ein Test- und Experimentierraum rund um Megathemen wie Mobilität, Citylogistik, Ressourcen, soziales Miteinander. Letzterer Aspekt ist von wesentlicher Bedeutung, schliesslich geht es auch um Akzeptanz, sichtbaren Mehrwert und lebenswerter Gestaltung – um aktive Partizipation. Dabei gehe es, so Carabias-Hütter, Szenarien der Zukunft zu entwerfen und daraus Leitbilder, Strategien und Massnahmenpläne abzuleiten. Und so ist das „Smart City Lab Basel“ seit 2019 auch Bühne für Workshops, Lab Events und für das virtuelle Vorerleben der späteren Stadt.

 

Indessen beauftragte man in Basel vier Architekturteams, um das städtebauliche Potenzial von Wolf auszuloten, zwei Studien wurden nun in einem Bebauungsplan zusammengeführt. Dabei geht es nicht nur um die urbane Struktur des neuen Quartiers samt Neubauten, sondern auch um die Integration des Bestandes, sofern er sich als umnutzbar erweist. Gerade diese Facette der Arealentwicklung fördert die Authentizität des Quartiers und bringt wichtige Identifikationspunkte ins Spiel.

 

Die Transformation des Areals Wolf dient als Modell für viele weitere Areale der SBB, daher stehen skalierbare und übertragbare Lösungen im Vordergrund. „Bei Smart Cities geht es nicht nur um die Umsetzung von einzelnen Projekten, sondern um das Management eines Transformationsprozesses hin zu neuen Stadtsystemen“, so Carabias-Hütter.

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